Körperliche Schmerzen
Dein Körper macht dir im Augenblick keine Freude. Er meldet dir, dass etwas nicht in Ordnung ist. Er ist aus dem Gleichgewicht geraten und will dich alarmieren, etwas gegen die Störung zu unternehmen. Doch du erlebst dies nicht als hilfreich. Im Gegenteil: Du betrachtest die Schmerzen und deinen Körper im Augenblick als Feinde und nicht als Verbündete. Du siehst keine gute Absicht in den Schmerzen sondern eine große Belastung. Du erlebst deine Schmerzen als Stress.Die Schmerzen rauben dir die Lebensfreude, deine Aktivität und Energie. Sie stören deinen Tagesablauf und deine Konzentration. Sie drängen sich vielleicht sogar so in den Vordergrund, dass du gar nichts mehr anderes wahrnimmst. Du wagst es nicht mehr, dich zu verabreden, aus Angst wegen der Schmerzen absagen zu müssen. Du quälst dich mit dem Gedanken, wie das weitergehen soll und was dich noch Schlimmes erwartet. Du fühlst dich deinen Schmerzen ausgeliefert.
Begleiterscheinungen deiner körperlichen Schmerzen:
Traurig bis hin zu depressiv sein; hoffnungslos sein; gereizt und unzufrieden sein; ängstlich sein; wütend sein; keine Freude mehr verspüren können; zu nichts aufraffen können; an dir selbst zweifeln; dich von anderen zurückziehen; nur noch auf den Schmerz konzentrieren; Aktivität und Bewegung vermeiden; deinen Interessen und Hobbys nicht mehr nachgehen. Du verspürst vielleicht körperliche Symptome wie Anspannung, Nervosität und hast Konzentrations- und Schlafstörungen. Du hast Angst, mit deinen Schmerzen auf Dauer leben zu müssen.
Was die Wissenschaft in zahlreichen Untersuchungen über Schmerzen herausgefunden hat.
Ehe ich dir einige Tipps gebe, wie du deine Schmerzen lindern kannst, möchte ich dir einige Erkenntnisse der Schmerzforschung mitteilen, auf denen meine Tipps beruhen.
1. Wir sind Schmerzen nicht ausgeliefert. Wir können Schmerzen bewusst beeinflussen und lindern.
2. Das Schmerzempfinden wird sehr stark von der Psyche beeinflusst. Wie stark wir einen Schmerz empfinden, hängt davon ab, welche Bedeutung wir ihm beimessen und wieviel Aufmerksamkeit wir ihm schenken.
3. Negative Gefühle verstärken die Schmerzempfindung, weil die Freisetzung körpereigener Schmerzmittel (Endorphine) unterdrückt wird. Positive Gefühle und gute Laune lindern das Schmerzempfinden, weil körpereigene Schmerzmittel (Endorphine) freigesetzt werden.
4. Die Erwartung, dass etwas weh tun wird, führt dazu, dass man Schmerzen empfindet.
5. Der Glaube, etwas Schmerzlinderndes verabreicht zu bekommen, fördert die Freisetzung der körpereigenen Schmerzmittel und lindert deshalb den Schmerz.
Was du bei körperlichen Schmerzen tun kannst
Entspanne deine Muskulatur.Schließe die Augen und spanne alle Muskeln in deinem Körper für etwa 5 Sekunden gerade so stark, dass du ein leichtes Ziehen verspürst; es soll nicht zu einer Verkrampfung kommen. Dann lass die Muskeln wieder locker und genieße für etwa 10 Sekunden lang das Gefühl der Entspannung bewußt. Wiederhole diesen Rhythmus zwischen An- und Entspannung mehrmals. Wenn du mehr Zeit investieren willst, erlerne die Progressive Muskelentspannung nach Jakobson.
Setze die Bauchatmung ein.Konzentriere dich auf deinen Atem und atme bis tief hinunter in den Bauchraum. Dann lasse den Atem langsam wieder ausströmen. Dann halte den Atem an und zähle von 1001 bis 1006 (eintausendundeins ... eintausendundsechs), dann atme wieder ein, aus und halte den Atem wieder an, während du zählst. Mache das einige Minuten lang.
Lenke dich ab.Beschäftige dich mit etwas, das dir Spaß macht oder worüber du lachen kannst. (Comic, Witze, Lieblingsserie im TV) Wenn du Spaß hast oder abgelenkt bist, wirst du den Schmerz "überhören" bzw. vergessen. Ürigens: Lachen ist ein natürliches Schmerzmittel. Durch das Lachen werden in deinem Körper natürliche Schmerzmittel freigesetzt. Mehr darüber erfährst du in Heilkraft des Lachens.
Sorge täglich für eine gute StimmungEs gibt eine ganze Reihe Guter Laune Rezepte, die dir helfen können, dass deine Schmerzen dir deine Stimmung nicht allzusehr trüben. Suche dir aus diesen das eine oder andere Rezept aus und schau, ob es dir gut tut.
Schaffe dir einen Ort der Sicherheit.Begebe dich in der Phantasie an einen Ort, an dem du dich sehr wohl fühlst und frei bist von all den Schmerzen. Male dir lebendig aus, wie der Ort aussiehst, was du siehst, wie du dich dort bewegst oder wie du sitzt, was du hörst, was du spürst, was du riechst, was du schmeckst. Rufe dir möglichst alle Sinneswahrnehmungen, die du hast, wenn du dich an diesem Ort befindest, ins Bewusstsein.
Nutze deine Phantasie.Stelle dir deinen Schmerz bildhaft als einen konkreten Gegenstand vor, beispielsweise einen Hammer. Welche Form hat der Gegenstand, aus welchem Material ist er? Welche Farbe und Größe? Macht er Geräusche? Ist er heiß oder kalt? Dann stelle dir vor, wie sich der Gegenstand verändert, sodass du weniger Schmerz verspürst. Der Hammer könnte beispielsweise beim Schlagen einfach zerbröseln oder zu einem weichen Gummihammer werden.
Lenke deinen Blick auf Ereignisse, die dir guttun.Wofür in deinem Leben könntest du dankbar sein? Womit bist du zufrieden? Wenn du deinen Blick auf das lenkst, wofür du dankbar sein kannst, dann macht dies deine Schmerzen erträglicher.
Sorge für Bewegung.Raffe dich auf, auch wenn es dir schwer fällt, und bring deinen Körper in Bewegung - sofern keine medizinischen Gründe dagegen sprechen. Du bist dadurch abgelenkt, seelische und körperliche Verspannungen lösen sich, du bekommst eine bessere Stimmung und dein Körper bleibt beweglich. Fast alle Schmerzzustände werden durch Bewegung günstig beeinflusst.
Hole dir einen Expertenrat ein.Wenn du unter chronischen Schmerzen oder Schmerzen infolge einer körperlichen Erkrankung oder eines Unfalls leidest, dann nimm Kontakt zu einer Schmerzambulanz auf. In einer Schmerzambulanz lernst du weitere psychologische Strategien kennen, um die Schmerzanfälligkeit und das Schmerzempfinden zu beeinflussen.
Wenn du an den Ursachen deiner körperlichen Schmerzen ansetzen möchtest
Hinter deinen Schmerzen können sich körperliche und/oder seelische Ursachen verbergen. Häufig nehmen unsere Schmerzen den Ausgang im körperlichen Bereich, dann kommt unsere Seele ins Spiel. Wir nehmen unsere Schmerzen wahr, befassen uns mit ihnen mehr oder weniger intensiv, bewerten sie in bestimmter Weise und reagieren in bestimmter Weise auf sie.
Deshalb ist es wichtig, dass du zunächst herausfindest, ob es körperliche Ursachen für deine Schmerzen gibt, und wenn ja, welche Einflussmöglichkeiten du hast. So verrückt es klingen mag, sogar Schmerzmittel können Schmerzen erzeugen. Nimm also Kontakt zu einem Arzt auf. Überhaupt: Mit Schmerzmitteln ist nicht zu spaßen, da du bei falschem und längerem Einsatz schnell von diesen abhängig werden kannst. Nimm diese also auf keinen Fall leichtfertig.
Wenn du unter chronischen Schmerzen oder Schmerzen infolge einer schweren körperlichen Erkrankung leidest, dann gehe in eine Schmerzambulanz. Es gibt hilfreiche psychologische Strategien, um das Schmerzempfinden zu beeinflussen.
Wenn der Arzt keine Ursache findet, heißt dies nicht, dass du dir etwas einbildest. Deine körperlichen Schmerzen können z.B. durch seelische Verspannungen und Belastungen ausgelöst werden, die entstehen, weil du gerade in einer Trauer- oder Trennungssituation bist oder berufliche bzw. private Konflikte und Probleme hast. Wenn du z.B. Rückenschmerzen hast, dann heißt das nicht, dass mit deiner Wirbelsäule etwas nicht in Ordnung ist. Gerade Rückenschmerzen sind meist die Folge seelischer Probleme. Mehr Informationen hierzu findest du in dem Artikel Psychosomatik - wie die Seele den Körper beeinflusst.
Auch Ängste, Burnout, berufliche Überforderung, Stress, eine posttraumatische Belastungsstörung oder Depressionen können sich in Schmerzen äußern. Dann musst du daran arbeiten, diese seelischen Erkrankungen zu bewältigen. Hier kann es hilfreich sein, dir psychotherapeutische Unterstützung zu holen.


