Ungeduld - gut Ding will Weile haben
Du bist vielleicht gerade mitten in einer Aufgabe, die dir noch den letzten Nerv raubt. Warum kann sie dir nicht schneller von der Hand gehen? Das muss doch gehen! Wie kann etwas nur so kompliziert oder langwierig sein! Du hast doch wahrlich Wichtigeres zu tun, als deine Zeit damit zu vertrödeln!
Vielleicht aber gibt auch ein bereits länger anstehendes Thema in deinem Leben, dessen Lösung du nicht beschleunigen oder steuern kannst. Du musst z.B. darauf warten, bis dein Körper wieder ganz genesen ist oder aber darauf, dass ein anderer Mensch oder eine Situation sich verändern. Du haderst damit, dass dies so lange dauert. Das Leben ist deiner Ansicht nach doch völlig falsch eingerichtet. Es sollte doch alles viel schneller gehen! Du würdest am liebsten davon laufen und Problem einfach Problem sein lassen.
Begleiterscheinungen deiner Ungeduld
dich angespannt fühlen; innerlich unruhig sein; dich nicht mehr gut konzentrieren können; gereizt sein; lustlos ein; andere angreifen oder kritisieren; an dir zweifeln; dir Vorwürfe machen; andere unter Druck setzen; anderen die Schuld zuweisen; die Hoffnung verlieren; verbissen kämpfen; in der Leistung nachlassen; Probleme mit dem Einschlafen haben; Heißhunger haben; zum Alkohol oder Beruhigungstabletten greifen.
Was du bei Ungeduld tun kannst
Wenn du dir deine Ungeduld vorwirfst, steigerst du deine Anspannung und Ungeduld noch mehr.
Prüfe, ob dir deine Ungeduld hilft, dein Ziel zu erreichen.
Nicht immer ist die Ungeduld schädlich. Sie kann uns auch antreiben, eine für uns schädliche Situation zu ändern.
Geh aus der Situation, falls dies möglich ist.
Wenn du wie ein Kaninchen auf die Schlange starrst, wird die Schlange quasi immer größer für dich. Aus dem Abstand kann du dein Problem eher sachlich einschätzen.
Setze positive Selbstinstruktionen ein.
Rede dir innerlich gut zu: „Mach einen Schritt nach dem anderen. Du bist nicht in Lebensgefahr. Es wird sich eine Lösung finden.“
Teile deine Aufgabe in Zwischenschritte ein und lobe dich für kleine Fortschritte.
Auf diese Weise machst du dir deutlicher, dass du vorankommst.
Beschäftige dich für einen Augenblick mit etwas, was dir Spaß macht.
So kannst du deine Stimmung heben. Wenn es dir gefühlsmäßig besser geht, wirst du auch wieder kreativ an das Problem herangehen können.
Überprüfe, wie wichtig das ungelöste Problem für dich ist.
Musst du es wirklich lösen? Musst du es wirklich jetzt sofort lösen? Was würde passieren, wenn du es nicht lösen kannst? Wie könntest du damit umgehen?
Suche danach, wie du dir die Lösung des Problems erleichtern kannst.
Gibt es jemand, der dir ein Vorbild sein könnte? Gibt es jemand, der dich unterstützen kann? Kannst du irgendwo nachlesen?
Erinnere dich an Aufgaben, die du erfolgreich gelöst hast.
Wenn du dich an deine Erfolge erinnerst, bekommst du Mut und Kraft, weiter am Ball zu bleiben.
Hangle dich von Tag zu Tag, wenn du wegen eines länger anstehenden Problems ungeduldig bist.
Einen Tag kannst du überschauen. Und du kannst auch aushalten, dass das Problem noch einen Tag lang besteht.
Entscheide dich, loszulassen.
Manche Ereignisse liegen nicht in deiner Hand. Du kannst tun, was möglich ist, um die Dinge nach den Vorstellungen zu gestalten. Dann aber solltest du deine Forderungen loslassen.
Ich glaube, daß die Ungeduld, mit der man seinem Ziele zueilt, die Klippe ist, an der oft die besten Menschen scheitern.
Friedrich Hölderlin
Wenn du in Zukunft geduldiger sein möchtest
Ungeduld entsteht in deinem Kopf und setzt sich in deinem Körper und deinen Gefühlen fort. Du musst also auch an deinem Kopf ansetzen, um geduldiger werden zu können.
Wenn du ungeduldig bist, dann forderst du, dass die Dinge einfacher und schneller zu lösen sind, als sie es sind, dass du besser und schneller mit Aufgaben umgehen sollest, als du es tust, oder dass die Umstände anders sind, als sie sind.
Diese Forderungen sind irrational. Das Gras wächst nicht schneller, wenn du daran ziehst. Deshalb musst du lernen, Grenzen zu akzeptieren und deine Forderungen loszulassen. Ersetze das Wörtchen "muss" durch "Ich möchte gerne" oder "Mir wäre lieber, wenn ..." und setze den Satz fort "Ich bin bereit zu akzeptieren, dass es im Augenblick nicht so ist".
Es gibt keine einfachen Lösungen für komplizierte Probleme. Man muss den Faden geduldig entwirren, damit er nicht reißt.
Michail S. Gorbatschow
Solange du nicht in Lebensgefahr gerätst, kannst du lernen großzügiger zu sein, und damit deinen Geduldsfaden stärken.
